Digitalisierung

Digital Health ist der Überbegriff für alle digitalen Anwendungen im Gesundheitsbereich. Dazu zähen neben Pharmaindustrien, Krankenhäusern, Ärzten und Patienten inzwischen auch jeder Einzelne mit den zahlreichen technischen Möglichkeiten. Diese reichen vom berühmten Schrittzähler über Apps zur Erinnerung der Medikamenteneinnahme, Diät- und Sportprogrammen bis zur Online-Therapie.

Auch für die betriebliche Gesundheitsförderung gibt es viele Möglichkeiten und Potenziale digitale Angebote einzusetzen.

Chancen

1. Prävention stärken anstatt Krankheit bekämpfen

Forschungen im Bereich Digital Health fokussieren sich verstärkt auf präventive Anwendungen. Hier geht es weg von der klassischen Schulmedizin hin zu den alten Schulen und Traditionen europäischer oder chinesischer Medizin. Ziel ist, die Gesundheit jedes Einzelnen so lange wie möglich zu halten.

Der präventive Ansatz kommt Unternehmen zu gute. Auch hier stehen Investitionen für die Gesunderhaltung von Beschäftigen im Vordergrund und nicht Krankheiten zu bekämpfen.

Krankenkassen oder private Anbieter haben inzwischen ein umfangreiches Portfolio für Beschäftigte in Unternehmen. Die Programminhalte bieten Unterstützung im Bereich Ernährung, Bewegung und seelischer Gesundheit an. Während Krankenkassen oft alle drei Säulen der Gesundheitsförderung abdecken, finden sich bei privaten Anbietern auf ein Thema fokussierte Angebote. Diese reichen von telefonischen und persönlichen Mitarbeiterberatungen durch externe Dienstleister, die einen Pool von ausgebildeten Coach und Therapeuten zur Verfügung stellen bis hin zu Simulationsprogrammen, die den finanziellen und personellen Aufwand eines BGM berechnen.

2. Orts- und zeitunabhängige Zugänge für alle

Im privaten wie im beruflichen Alltag sind PC’s, Tablets und Smartphones allgegenwärtig. Sie bestimmen unsere Zeit, unsere Arbeitsprozesse, unsere sozialen Interaktionen und beeinflussen unser Erleben.

Gesundheitsprogramme sind in Unternehmen oft mit Präsenzkursen verbunden. Ein Trainer vor Ort mit 8-16 Teilnehmern. Der persönliche Kontakt ist für den gemeinsamen Austausch und gerade für erfahrungsorientierte Seminare weiterhin wichtig. Und zusätzlich gibt es einen Bedarf an orts- und zeitunabhängigen Angeboten, die Beschäftigte raum- und zeitunabhängig nutzen können.

Inzwischen gibt es schon einige Start-ups und auch etablierte Unternehmen, die digitale Gesundheitstools von webbasierten Gesundheitsprogrammen bis zu ergänzende Apps für die betriebliche Gesundheitsförderung anbieten. Jeder Beschäftigte kann so seine individuellen Ziele festlegen und dazu passende Aktivitäten erhalten, um seine Gesundheit zu verbessern.

Ein Vorteil digitaler Angebote ist, dass auch Kleinbetriebe von den Angeboten profitieren. Sie können mit geringem innerbetrieblichen personellen und finanziellen Aufwand in die betriebliche Gesundheitsförderung investieren. Das reicht von Online-Checklisten für einen ergonomischen Arbeitsplatz über die Erfassung von Ressourcen im Betrieb bis hin zu Online-Ernährungstools.

3. Neue Zielgruppen erreichen

Digitale Angebote sind auch eine weitere Möglichkeit neue Zielgruppen im Unternehmen zu erreichen. Dazu zählen beispielsweise Außendienstmitarbeiter und insbesondere junge Menschen. Sie sind viel stärker mit der digitalen Welt verwoben als es ältere Menschen sind. Auch ist die Überwindung sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen nicht so groß. Jüngere sind eher getrieben von Neugier und einem spielerischen Umgang.

Auch das Feedback einer jüngeren Generation ist wertvoll und sollte im BGM mit berücksichtigt werden. Ihr Bezug zu gesundheitlichen Fragestellungen und Bedürfnissen sind mitunter andere als die von älteren Beschäftigten. Auch brauchen Jüngere andere Unternehmensanreize und -angebote als ältere Menschen. Digitale Gesundheitstools sind daher auch ein zusätzliches Instrument, um mehr über die aktuellen und künftigen Gesundheitsinteressen erfahren.

 

Risiken

1. Gesundheitsdaten im Arbeitsverhältnis

Die Gesundheit eines Beschäftigten ist nicht nur für diesen selbst wichtig, sondern auch im Interesse des Arbeitgebers. Eine sozialstaatliche Errungenschaft ist, dass Beschäftigte im Krankheitsfall geschützt sind und nur eingeschränkt oder gar nicht gekündigt werden können.

Nun stehen sich zwei Interessen gegenüber. Die Arbeitgeber mit dem Wunsch, so viel wie möglich über den Gesundheitszustand seiner Mitarbeiter zu wissen und das Recht des Arbeitnehmers auf Persönlichkeitsschutz und Schweigepflicht in Bezug auf persönliche Daten. Der Arbeitnehmer hat die arbeitsvertragliche Pflicht, sich zu melden, wenn er seine Aufgaben nicht mehr adäquat erledigen kann. Die Diagnosen und medizinischen Daten sind jedoch ein Tabu für den Arbeitgeber und von der Informationspflicht ausgenommen.

Doch was passiert mit den Daten von digitalen Angeboten? Wie transparent oder intransparent sind die gesundheitsbezogenen Daten für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber? Fakt ist, dass im Zuge digitaler Gesundheitsprojekte in Unternehmen Daten erfasst werden. Und das diese vor Missbrauch geschützt werden müssen. Nicht nur der Datenschutzbeauftragte muss bei digitalen Gesundheitsprojekten involviert sein. Wichtig ist eine klare und transparente Informationspolitik im Unternehmen für die Beschäftigten um Sicherheit zu gewährleisten.

2. Überforderung der Nutzer

Die Risiken der rasanten Entwicklung digitaler Gesundheitsangebote bringen auch eine Überforderung der Nutzer mit sich. Im Kontext unterschiedlicher Alterskohorten werden diese Überforderungen sichtbar. Der spielerische Umgang mit Apps, Tablets oder Online-Seminaren ist nicht für jeden gegeben. Auch erzeugen digitale Produkte nicht nur Freude, sondern auch Frust.

Technische Fragestellungen gehen mit der Digitalisierung einher, die wir alleine nicht mehr bewältigen können. Wir sind alle auf funktionierende Geräte und letztlich auch auf vertrauensvolle Gegenüber angewiesen. Die Komplexität der Digitalisierung ist für viele eine Überforderung. Im Kontext von Gesundheit führt dies genau zum Gegenteil was eigentlich erreicht werden sollte. Überforderung bedeutet Stress. Und so lösen die Angebote, die eigentlich Stress abbauen sollen zusätzlichen Stress aus.

Digitale Angebote spiegeln durch die permanente Erhebung von Daten die eigene Aktivität und Passivität. Die Daten werden am Ende des Tages bewertet, was zur Folge hat, ob sich jemand gut oder schlecht fühlt. Bei Diäten hat man schon vor Jahren angefangen zu kommunizieren, dass man sich nicht jeden Tag auf die Waage stellen soll, um Frusterlebnisse zu vermeiden. Sich und seinen Körper nicht ständig zu kontrollieren, wird durch den vermehrten Einsatz digitaler Produkte wieder Thema werden.

3. Permanente Weiterentwicklung und Qualitätskontrolle

Wer einmal einen Relaunch betreut hat, der hat ein gutes Bild, was der Einsatz von digitalen Produkten im Unternehmen bedeutet. Digitale Gesundheitstools sind keine Allheilsbringer und auch nicht die Lösung für möglich anders gelagerte Probleme im Unternehmen.

Für die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung digitaler Gesundheitsangebote werden personelle und finanzielle Ressourcen benötigt. Allen technischen Entwicklungen wohnt das Ende inne und sie sind eine immerwährende Baustelle.

Insbesondere in der betrieblichen Gesundheitsförderung sollten alle zum Einsatz kommenden Produkte evaluiert werden. Was ist der konkrete Nutzen und halten die Produkte, was sie versprechen? Werden die Produkte auch wirklich genutzt oder sind sie einfach nur „da“? Welche Qualitätsstandards müssen die digitalen Angebote im Unternehmen erfüllen?

Zusätzlich bedarf es einer strategischen Kommunikation, die diese Weiterentwicklungen, Qualitätskontrollen und deren Ergebnisse in die Fläche kommuniziert. Es reicht nicht aus, wenn nur der Vorstand informiert wird. Es braucht eine transparente Kommunikationspolitik, um alle Beschäftigte zu erreichen und Vertrauen aufzubauen. Denn diese sollen die Gesundheitsangebote ja auch nutzen.

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