Arbeitsplatz

Welchen Stellenwert hat der Büroraum in Bezug auf die psychische Gesundheit? Diese Frage wird in der betrieblichen gesundheitsfördernd noch wenig gestellt. In der Regel bezieht sich die Fragen auf die gesunde Gestaltung von Arbeitsaufgaben und -tätigkeiten.

Schweizer Leitfaden

Die privatrechtliche Stiftung der Schweiz zur Gesundheitsförderung hat einen Leitfaden mit über 200 Seiten entwickelt, der die psychische Gesundheit bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen in den Vordergrund stellt.

Hier geht es zum Leitfaden

Das Stresserleben von Beschäftigten ist nicht nur in der Schweiz in den vergangenen Jahren anstiegen, sondern zeigt sich nach den Krankenkassen-Statistiken in allen Ländern. In Deutschland haben sich die Krankschreibenden aufgrund psychischer Belastungen seit 2000 mehr als verdoppelt (Quelle. statistika.com).

Veränderung von Arbeitsplätzen ist ein emotionales Thema

Nach der Schweizer Studie wirken Einflüsse der Umgebung stärker auf die psychische Gesundheit ein als die Arbeitsinhalte und -tätigkeiten selbst. Eine intensivere Auseinandersetzung mit der Arbeitsumgebung ist für die psychische Gesundheitsförderung daher durchaus sinnvoll.

Der Mensch steht immer in Beziehung zu seiner Umwelt und dieses Verhältnis lässt sich ganz konkret auf das Zusammenspiel im System Büro untersuchen. Bei der Neugestaltung von Büroräumen sind neben den relevanten Einflussfaktoren auch der begleitende Veränderungsprozess (Workplace Change Prozesse) für das psychische Wohlergehen wichtig.

„Die Veränderung von Arbeitsplätzen ist ein sehr emotionales Thema für die betroffenen Mitarbeitenden. Egal ob das Büro, der eigene Tisch oder der persönliche Stauraum – Mitarbeitende haben das Gefühl, dass sie ein persönliches Recht an diesen Elementen haben und empfinden es als illegitim bzw unangemessen, wenn das Unternehmen über Veränderungen entscheidet.“ (Quelle: Leitfaden Gesundheitsförderliche Büroräume und Workplace Change Management)

Beide Komponenten „Veränderung der Arbeitsplatzumgebung“ und „Begleitung der Veränderung“ sind miteinander verbunden, um das psychische Wohlbefinden der Beschäftigten nachhaltig zu verbessern.

Einflussfaktoren zur psychischen Gesundheit

Es wurden folgende Einflussfaktoren zur psychischen Gesundheit in dem Leitfaden herausgearbeitet:

  • Ästhetik: Sinneseindrücke und emotionale Reaktionen auf eine visuelle, akustische, haptische und olfaktorische Gestaltung
  • Symbolik: Botschaft der Räume an die Nutzer sowie Bedeutung, welche die Nutzer dem Raum geben. Bsp Ausdruck der Unternehmenswerte in der Gestaltung.
  • Räumliche Organisation und Layout: Unterteilung der verfügbaren Flächen und Zuweisung in verschiedene Funktionsbereiche
  • Ruhe- und Regenerationsräume: Unterstützung für die aktive und/oder passive Erholung
  • Arbeits- und Ablagefläche: Zufriedenheit mit der wahrgenommenen Arbeitsplatzgröße
  • Qualität des Arbeitsplatzes: Ästhetische (senorische Erfahrung) und funktionale Qualität
  • Farben: Einsatz von Farbe in der Gestaltung von Büroräumen
  • Pflanzen und natürliche Elemente (bsp. Bilder, Poster, etc)
  • Akustik: Geräuschkulisse bestehend aus sprachlichen (Telefongespräche, etc) und nicht-sprachlichen (Ventilatoren, Halligkeit der Räume, etc) Reizen
  • Luftqualität und Klima: Frische und Reinheit der Atemluft sowie Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Luftfeuchte und Luftbewegung
  • Düfte: Angenehme Düfte wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus. Sehr wichtig sind Düfte inzwischen im Marketing (Store-Düfte) zur Beeinflussung des Kaufverhaltens
  • Beleuchtung: Kontrolle über die eigene Beleuchtung des Arbeitsplatzes. Tageslicht ist das dabei wertvollere Licht und hat eine positive Wirkung auf den Menschen.
  • Privatheitsregulation: Selbstbestimmung über die Häufigkeit der sozialen Interaktion; inklusive Kontrolle über Informationen, visuelle und akustische Geräusche.
  • Beengtheitserleben: Subjektiv negative Erleben von Beengung und die Möglichkeit Einfluss zu nehmen.
  • Territorialität: Berücksichtigung von Grenzen und dem menschlichen Bestreben nach einem eigenen Territorium
  • Unterbrechungen und Störungen: Verminderung von einer Ablenkung der Aufmerksamkeit. Dazu zählen Unterbrechungen von einer Person bis zu Störungen durch Telefonklingeln, Rauschen, etc
  • Soziale Beziehungen: Gestaltung von Interaktionen. Soziale Beziehungen können als Stressoren oder als Ressourcen wirken.
  • Service: Unterstützungsangebote in der Büroumgebung, wie bsp Verpflegung, Mobilität, Hygiene, Sportangebote, Eltern-Kind-Räume, etc

Das psychische Wohlergehen und die Arbeitsleistung hängen eng miteinander zusammen. Unternehmen als auch jeder einzelne Beschäftigte sollte die Möglichkeit in seinem Wirkungskreis nutzen, den Lebensraum Büro zum psychischen Wohlergehen zu gestalten.

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